Alles falsch gemacht – und angeschossen

Ich bin Rückschläge gewohnt, zumindest körperlich wird es mit dem Alter nicht besser. Bei mir gab es einen Punkt im Leben, an dem sich körperlich alles geändert hat. Beschrieben habe ich ihn Euch in einem der ersten Blogs. Und seit der daraus resultierenden Operation habe ich wohl so gut wie alles falsch gemacht, was man besser hätte lösen können. Anstatt dauerhaft Reha zu machen, habe ich es nur so lange gemacht, wie meine Rezepte gehalten haben. Anschließend habe ich es auf eigene Faust versucht. Also in etwa so, wie ich es aktuell versuche. Erfolg: Nicht gegeben. Lerneffekt: Null. Und das bekomme ich gerade wieder voll um die Ohren.

Ich brauche einen Ball – und das ist mein Verhängnis

Als ich bei meinem Orthopäden nach Sportmöglichkeiten gefragt habe, wurden mir Schwimmen, Fahrradfahren und Joggen genannt. Auch in der Reihenfolge – also erst mit Laufen, wenn ich schon ordentlich geschwommen und Fahrrad gefahren bin. Gemacht habe ich alles – mit Ausnahme von Schwimmen. Und Fahrradfahren. Denn das bisschen Ergometer fahren kann man zwar als nützlich beim Gewichtsabbau bezeichnen, aber nicht als nachhaltige Stabilisation der Muskulatur. Trotzdem ging es irgendwie voran. Langsam – aber es ging. Ich fing an zu Joggen (was ich hasse!) – und holte mir damit mein Alibi, um endlich auch wieder mit dem Ball Sport zu machen. Nicht Fußball, da ich da nicht Herr meines Glücks bin. Ich kann ja nicht einfach bei einem schönen Pass rufen: „Schicker Pass, aber ich habe gerade Schmerzen! Nächstes Mal laufe ich wieder…!“. Das aber geht beim Tennis. Da kann ich immer selbst entscheiden, wohin ich wie laufe. Wenn ich gut bin, kann ich mit meinen Schlägen sogar maßgeblich beeinflussen, wie mein Gegner spielt. Ergo: DAS war es ab sofort wieder.

Fakt ist: Ich brauche den Wettkampf. Einfach stumpf auf Ausdauer etwas zu machen ist nicht meins. „Eisen stemmen“ ist für mich so spannend wie die BGB-Vorlesungen an der Uni seinerzeit. Schwimmen (oder „Kacheln zählen“) mache ich nur, wenn ich mit dem HSV im Trainingslager bin und der Pool ein paar Stockwerke unter mir fußläufig erreichbar und schon vor dem Frühstück geöffnet ist. Quasi aus Langeweile.

Und auch jetzt, wo ich hier zum großen Neuanfang ausgerufen habe, habe ich es wieder – falsch gemacht. Ich habe vor zweieinhalb Wochen einen echten Rappel bekommen. Ich stand auf der Waage und bemerkte ein unerfreuliches Ergebnis. Mehr möchte ich an dieser Stelle hierzu nicht sagen… 😉 Und ich nahm mir vor, diese Corona-Faulheit zu bekämpfen. Mit Sport.

Zu früh zu viel gewollt – und angeschossen worden!

Da mein Ergometer leider den Geist aufgegeben hat, habe ich mir gedacht, ich geh gleich auf Rumpfmuskulatur. 100 Situps in 20er-Schritten für den Anfang, dazu ein dreimal 60 Sekunden Unterarmstütz standen auf dem Plan. Und schon bei den ersten 20 Situps merkte ich, dass es anstrengend würde. Aber einmal angefangen gebe ich nicht auf. Nie. Und dementsprechend zog ich es durch. Von Situp #60 an unter starken Schmerzen im unteren Rückenbereich, „aber das gehört nun mal dazu, wenn man lange nichts gemacht hat“ sagte ich mir. Leider  lag ich – mal wieder falsch.

Denn der nächste Tag brachte die Ernüchterung: Hexenschuss. Nicht, dass ich das sofort wusste. Im Gegenteil: Zum Arzt gehe ich noch weniger als zum Schwimmen. Ich bemerkte nur starke Verspannungen im Lendenwirbelbereich, die zunahmen. Und das täglich. Aufstehen (vor allem ins Auto und aus dem Auto raus) wurde zu einer Schmerzfrage. Kurzum: Ich habe Mist gebaut. Richtig dusseligen Mist. Zu früh zu viel – mal wieder. Und das Schlimmste daran: Der Frust ließ mich gleich noch mal anderthalb Kilogramm aufbauen. In nur zweieinhalb Wochen… 

Ab jetzt im Tagebuchformat – als Selbstkontrolle

Aber: Ich werde weitermachen. Noch nicht mit Sport – wobei ich ein paar Yoga-Übungen mache -, dafür aber generell. Ich werde mir einen Diätplan erstellen, den ich für die nächsten knapp drei Monate bis zu meinem Geburtstag durchziehen werde. Dafür wird mir meine Frau hoffentlich assistieren – aber es muss sein. 15 Kilogramm sollen schnellstmöglich (aber gesund) runter.  Zur Entlastung der Gelenke und vor allem des Rückens. Parallel dazu werde ich ein Stabiprogramm für Rümpf und Rücken morgens und abends ansetzen. Leicht dosiert, um nicht noch einmal von der Hexe getroffen zu werden. Aber konstant. Und so schwer vorstellbar es selbst für ,ich ist, dass ich das durchziehen – ich MUSS! Deshalb werde ich hier ein schonungsloses Tagebuch führen. Mit allen Übungen, allen Begleiterscheinungen und allem, was sonst noch dazugehört. Drückt mal die Daumen, dass das endlich den so lange erhofften Anschub gibt, mich wieder in die (Sport-)Spur zu bekommen.

Bis morgen!

Scholle

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