Ich hätte nicht spielen sollen…

Ich kann sehr aufbrausend sein. Zumindest beim Sport. Vor allem dann, wenn ich mit mir unzufrieden bin. Dann passieren Dinge, die ich selbst gar nicht wirklich will und für die ich mich im Nachgang nicht selten schäme. Vor allem beim Tennis, wenn ich gegen Gegner verliere, die mir früher eher gelegen hätten – vorsichtig formuliert. Es ist einfach die schwierige Schere zwischen dem, was man mal konnte und was man noch im Kopf hat mit dem, was man aktuell imstande ist zu leisten. Und diese Spanne ist leider noch viel größer, als ich befürchtet hatte. Zumal ja inzwischen nicht nur die fehlende Gewohnheit ausschlaggebend ist, sondern auch die stark eingeschränkte Beweglichkeit.

Warum ich das alles erzähle? Weil genau hier mein allergrößtes Problem liegt. Denn ich will unbedingt etwas, was ich nicht erreichen kann. Zumindest noch nicht.

Ich nehme jetzt seit Februar regelmäßig Arthtrosaminkapseln („Strong“ mit Hyaluronsäure) und stabilisiere parallel meinen Rumpf und die Knie. Und ja, ich weiß, dass man allein mit Medizin und Nahrungsergänzung nicht topfit werden kann. Das wissen wir alle. Aber es unterstützt. Und ich muss mir leider eingestehen, dass ich mich bzw. meine körperliche Leistungsfähigkeit eben doch noch eine ganze Weile überschätzt hatte. Statt weniger zu trainieren, was man sich selbst gegenüber ja gern mit dem zunehmenden Alter rechtfertigt, muss man eben genau den umgekehrten Weg gehen und mehr machen, um auch nur einen Bruchteil der alten Fitness zu erhalten.

Vor allem muss man präventiv arbeiten. Und dazu wiederum gehört Geduld. Konsequente Geduld – also genau das, was ich so absolut null habe. Auf einer Skala von 1 bis 10 befinde ich mich hier zweifelsfrei im Minusbereich. Und damit komme ich auch zu dem Bereich, den ich zwingend in den Griff bekommen muss: Mein Gemüt. Denn das kostet mich inzwischen neben Nerven und Sympathien auch schon viel Geld. Aber der Reihe nach.

Und plötzlich habe ich komplett die Nerven verloren 

Denn alles begann höchst vernünftig. Ich hatte angesichts meines Bandscheibenvorfalls sämtliche Teilnahmen an Turnieren und Punktspielen abgesagt. Ich wollte nicht mehr mit 50 Prozent antreten und mich dann ärgern, wenn ich nicht so gut spielte, wie ich es von mir mindestens erwartet hatte. Und trotzdem habe ich gleich wieder mitgespielt. Weil ich mein Gewissen nicht ausschalten konnte. Oder anders formuliert: Ich habe mich breittreten lassen. Man habe versucht, meinem dringlichen Wunsch nachzukommen, hieß es. Aber eben auch: „Wir haben wirklich alles versucht, wir brauchen aber noch einen Mann.“

Dazu sei gesagt, bei einem Tennis-Punktspiel nehmen pro Mannschaft sechs Spieler teil. Neben den sechs Einzelduellen stehen dann noch drei Doppel-Partien an. Insgesamt werden also neun Punkte vergeben. Fehlt ein Spieler, gehen demnach sowohl ein Einzel sowie ein Doppel schon kampflos an den Gegner, der damit schon mal zwei der fünf Punkte kampflos hätte, die zum Gesamtsieg reichen. Wie also sollte ich da noch absagen?

Nein, mein Sportler-Gen und mein Team-Gedanke lassen so eine Aufgabe einfach nicht zu. Also habe ich nach knapp drei Monaten Komplett-Pause und am vorletzten Tag meiner Saftkur schnell noch mal den Schläger rausgeholt und wenigstens einmal testen. Und: Es ging – nichts… Nicht einmal einen Aufschlag konnte ich richtig spielen, was mich dazu veranlasste, beim Team-Captain noch mal dringlich darum zu bitten, jemanden an meiner Stelle einzusetzen. Aber: Abgelehnt…

Ich wollte nicht spielen – und ich hätte es nicht machen sollen…

Und so ging es an diesem besagten Sonntag morgens um 9 Uhr in das Punktspiel, das ich nie spielen wollte – und nie hätte spielen sollen. Denn es war grausam. Ich hatte schon morgens beim Wäsche hochtragen aus dem Keller ins Erdgeschoss Schweißausbrüche, weil mein Körper seit nunmehr sechseinhalb Tagen keine feste Nahrung mehr bekommen hatte. Ich fühlte mich schlapp und meine Ausdauer lag bei – minus zehn Prozent… Und so sollte ich Tennis spielen? Nein!

Ich habe mich schon auf dem Weg zum Tennisplatz geärgert, dass ich mich mal wieder hatte breitschlagen lassen. Und wer mich kennt, der weiß, was das bedeutet… Denn  es kam alles genau wie befürchtet. Ich hatte einen Gegner, den ich eigentlich hätte schlagen können, dem ich aber am Ende knapp unterlag, weil ich schon beim Aufwärmen nach jedem Ballwechsel das Gefühl hatte wie früher beim Fußball, wenn man nach einem anstrengenden Fight in der Verlängerung noch einmal einen Sprint ziehen musste, den der Körper eigentlich nicht mehr hergab. Hinzu kam, dass ich keinen Aufschlag traf, was nach fünf Monaten ohne Aufschlag auch nicht wirklich verwunderte. Ergo: Es war eine Vollkatastrophe.

Am schlimmsten von allem war, dass ich mich so sehr über mich selbst und darüber ärgerte, dass ich kleinbeigegeben hatte, dass ich auf dem Platz fluchte wie ein Rohrspatz. Und: Mein Schläger flog das eine oder andere Mal. Auf jeden Fall führte dieses Erlebnis dazu, dass ich einen Ersatz für das Doppel suchte (und fand) und sofort alle weiteren Punktspiele absagte. Ebenso alle Turniere, für die ich mich in der Hochphase im Januar noch voller Optimismus angemeldet hatte. Stattdessen setzte ich mir persönlich ein Ziel: Nie wieder ein Punktspiel, ohne mich so fit zu fühlen, dass ich wenigstens körperlich durchhalte.

Aus Niederschlägen lernen heißt Verbesserung. Hoffe ich!

Aber: Jeder Niederschlag birgt Lehren. Auch dieser. Und so habe ich mir ein (gebrauchtes) Rudergerät zugelegt. Ziel ist, 15 Kilogramm runter zu bekommen, damit ich ins Laufen komme. Komme ich endlich wieder ins Laufen, wird auch Tennis einfacher – und vor allem vielleicht irgendwann auch Punktspiele wieder sinnvoll. Dass das alles noch mal zu einem Fußballspiel reicht, ist leider wegen der Knie auszuschließen. Aber alles andere werde ich versuchen…

Und noch etwas: Solltet Ihr irgendwann einmal diese Saftkur machen, was ich absolut empfehlen kann, dann legt alle sportlichen Themen außerhalb dieser Woche an. Zumindest alle Wettkämpfe in allen Formen.

Ich habe inzwischen seit Start der Saftkur vor dreieinhalb Wochen knapp neun Kilogramm verloren, was sich insbesondere für meine Gelenke schon sehr positiv auswirkt. Mein Ziel sind weitere elf Kilogramm in den nächsten fünf Monaten bis Jahresende, was schwer genug wird. Aber ich muss diese Wette gegen meine Frau gewinnen. Zumal es sich allein schon für meine ramponierten Gelenke auszahlen wird und ich irgendwann wieder über Positiverlebnisse im Sport berichten will. Reicht ja auch, dass der HSV das schon lange nicht mehr geschafft hat… 

In diesem Sinne, ich habe jetzt Reha verschreiben bekommen, die sicherlich auch noch einmal helfen wird. Die werde Euch allen ein schönes Wochenende! Ich melde mich sehr bald wieder bei Euch!

Scholle

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